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Projekt Wiederbelebung einer Mamiya ZE-X

Was tun mit einem ausgelutschten ZE-X-Gehäuse? Wegwerfen oder, wie es manche freundliche Zeitgenossen tun, bei ebay anbieten, mit dem Hinweis 'Funktion nicht geprüft'? Natürlich keines von Beidem. Alternativ zur qualifizierten Reparatur bei Mamiya Deutschland könnte man es ja 'mal selbst probieren. Ein billiger Satz Feinmechanikerwerkzeug und die Gewißheit, daß die Kamera sowieso schon kaputt ist, genügt, und schon kann's losgehen.

Vorab vielen Dank an Theo Nusser und Jörg Krüger, auf deren Anleitungen und Tipps der folgende Bastel-Gehversuch beruht.

Eines heißen und staubigen Urlaubstages zeigte meine ZE-X heftige Ausfallserscheinungen: das Gehäuse löst nur noch gelegentlich aus und behauptet die Batterien sind schwach. Später zeigt sich, daß einige Fotos total überbelichtet geraten sind.

Diagnose:

  1. Spannungsabfall an den verschmutzten internen, nicht gekapselten Drehschaltern sorgt dafür, daß der elektromagnetische Auslösemechanismus 'hängt'.
  2. Verschmutzung des Blendenschließmechnismus, so daß die Blende nicht mehr bis zum korrekten Wert freigegeben wird.

Fehlerbehebung:

Kameraunterseite:

  1. Kunststoffschraube (für Linksauslösegriff) an der Vorderseite der Bodenabdeckung und die 4 unteren Schrauben der Bodenabdeckung entfernen. Bodenabdeckung abheben.
  2. Die 4 größeren Senkkopfschrauben der Bodenplatte lösen, Senkkopfschraube des elektrischen Terminals für den Winder (8 el.Kontakte) entfernen. Federring für die Arretierung der Spannstange an der Wickelachse entfernen.

    ZE-X geöffnet von unten.
    Schrauben der Bodenplatte
    und Spannstange.
    ZE-X geöffnet von unten

  3. Bodenplatte abheben. Dabei das el. Winderterminal herauslösen und den Spannhebel aus dem Bolzen der Wickelachse heben. Die eingehakte Rückholstange des Spannmechanismus auf der Wickelachse darf dabei ruhig herausfallen. Man kriegt sie beim Zusammenbau mit einer Pinzette leicht wieder an den richtigen Platz.
  4. Wartung: Mehrmaliges manuelles Auslösen des Verschlusses (und Wiederspannen) an der Mechanik bringt den hängenden Verschluß wieder in Gang. Vorsichtiges Abheben des Ankers des Eisenkerns des roten Elektromagneten mit einem Uhrmacherschraubenzieher löst aus (siehe Abbildung, roter Pfeil). An den zwei blau bezeichneten Punkten kann wieder gespannt werden.

    ZE-X geöffnet von unten.
    Die Pfeile und der gelbe Kreis
    markieren Positionen, an denen
    eingegriffen werden muß.
    ZE-X geöffnet von unten
  1. An der Wickelachse ist ein elektrischer Schalthebel aus transparentem Kunststoff (grüner Pfeil in der Abb.) mit Messingkontakten. Die Kontakte müssen mit Buntmetallreiniger vorsichtigt gereinigt und etwas aufgebogen werden. Dazu muß die Achse des elektrischen Schalthebels herausgeschraubt werden. Danach kann der Hebel herausgehoben werden. Vorsicht wegen der festgeklebten Rückholfeder. Es ist übrigens ratsam, die Feder erst wieder einzusetzen, wenn der Hebel schon wieder an seinem Platz ist und die Schraube greift.
  2. An der unteren Bodenplatte ist das Batteriefach eingebaut. Mit je 2 Druckkontakten wird der Strom der Batterie in das Kamerainnere geleitet. Die 2 unten liegende Druckkontakte und deren Gegenpunkte können oxidiert sein (violetter Pfeil). Vorsichtig reinigen und die Kontakte etwas aufbiegen. Kontakte können mit Vaseline eingefettet werden. Batteriefach innen reinigen.
  3. Das mit dem gelben Kreis markierte Zahnrad regelt den Mechanismus zur Blendenöffnung. Es muss sich sehr leicht bewegen lassen, und, wenn es verdreht wird, sich so schnell zurückstellen, dass das Auge nicht folgen kann. In diesem Fall bewegte sich das Zahnrad nur zäh. Also Sicherungsring abziehen, das Zahnrad abnehmen und mit Iso-Propanol oder Aceton reinigen und entfetten. Wieder einsetzen und sichern, evtl. etwas ölen (in diesem Fall habe ich das Zahnrad vor dem Einsetzen mit sehr wenig Graphit bepinselt).

Wenn die Bodenplatte wieder an ihrem Platz ist, kann geprüft werden, ob die Kamera wieder auslöst. Im aktuellen Beispiel war das der Fall, es gab keine 'Versager' mehr. Die Blende schließt nun wieder absolut korrekt, jeder Raster des Blendenrings des 1,7/50 bewirkt eine reproduzierbare Änderung der Blendenschließung.
Und wer jetzt noch nicht genug hat, kann von der Oberseite weiter machen:

Kameraoberseite und Bajonett:

  1. Spannhebel halb öffnen. Plastikabdeckung durch 2 Senkkopfschrauben an der Unterseite lösen und abheben. Sechskantschraube (Linksgewinde!) mit 6 mm Schlüssel lösen und abschrauben.
  2. Dreknopfeinstellungen: "100" ASA +- "0", Zeit = "A", Crossover = "FIX". Auslöseknopf und Crossoverschalter mit Tesafilm festkleben damit sie später beim Abheben des Dachs nicht abfallen.
  3. Filmkurbel abschrauben und herausziehen. Den Schließmechanismus der Rückwand mit stabilem Klebeband abkleben und darauf Rückwand mit Tesa festkleben, damit nicht aus Versehen auf den Verschluß gegriffen wird. Alternativ kann man die Rückwand einfach zudrücken, sie kann durch das Loch im Boden mit etwas Fummelei wieder geöffnet werden.
  4. Mutter über dem ASA-Rad mit einem geeigneten Werkzeug (z.B. Federringzange) aufschrauben und ASA-Rad abheben.
  5. 4 Schrauben direkt am Gehäusedeckel lösen, 2 an der Verkleidung des Bajonetts, Kunststoffdeckel vorsichtig nach oben abheben. Achtung: der Mitnehmer des Zeitenknopfs ist nur eingesteckt und kann abfallen: daher Stellung des Mitnehmers und des Zahnrads mit Filzstift markieren!
  6. die 4 Schrauben des Bajonettrings aus Metall lösen, und zusammen mit dem Federring abnehmen. So ablegen, daß die Orientierung dieser Ringe nicht verlorengeht.
  7. Die Position des weißen Zahnrades im Boden, das in den Blendenmitnehmer greift, mit Filzstift markieren. Blendenmitnehmer abziehen und Feder aushaken. Gehäuse des Blendenmitnehmers abmontieren (2 Schrauben).
  8. Die Verkleidung des Bajonetträgers kann nun abzogen werden, sie muß dabei etwas verformt werden, der obere Teil ist nur aufgesteckt. Die Teile des Schalters zur Speicherung des Belichtungswertes fallen dabei heraus. Der Knopf zur Entriegelung der Objektive steckt dagegen stabil in der Verkleidung.

    ZE-X geöffnet von oben. Der Pfeil markiert den Zeitenwahlschalter. Detailaufnahme des Zahnrades am Blendenmitnehmer. ZE-X geöffnet von oben Blendenmitnehmer
  1. Wartung: Mit weichem Pinsel die Kameraoberseite von eingedrungenem Staub reinigen. Der Zeiten-Wahlschalter kann nicht einfach abgenommen werden. Jedoch kann mit einem feinen Pinsel ein Tropfen Feinmechanikreiniger auf die Kontaktleiste eingebracht werden. Anschließend den Schalter mehrfach durchdrehen. Das weiße Zahnrad des Blendenmitnehmers kann nach Lösen des Federrings abgenommen werden. Die 4 Schrauben der Bodenplatte müßen dafür etwas gelockert werden. Kontakte und darunterliegende Leiterplatte reinigen, Kontakte leicht aufbiegen.
  2. Experimente mit den Spannungsreglern auf der Oberseite empfehlen sich erst, wenn das Gehäuse nach dieser Prozedur immer noch nicht zuverlässig auslöst. Ursprüngliche Stellung der Regler unbedingt mit Filzstift markieren!

Ergebnis:

Die Montage erfolgt übrigens genau umgekehrt wie das Auseinandernehmen ;-). Wieder komplett montiert löst mein altes ZE-X-Gehäuse T150917 nun zuverlässig aus, alle Zeiten laufen korrekt ab und die Blende schließt wieder auf den korrekten Wert.

Diebstahl!

Diese Kamera (No. T150917) wurde mir im April 2006 in München gestohlen. Bitte benachrichtigen Sie mich, wenn diese Kamera irgendwo angeboten wird. Meine Email-Adresse steht auf der Homepage.